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KI-Kompetenzpflicht: Was nach dem Digital Omnibus gilt

Art. 4 KI-VO gilt weiter, aber abgeschwächt: Seit Juli 2026 musst du die KI-Kompetenz deines Teams fördern, nicht garantieren. Was das konkret heißt.

Jonah Jeschkeit·· 5 Min. Lesezeit

Linienzeichnung einer Reihe aufrechter Ordner, einer davon orange, daneben ein Stapel Blätter und drei kleine Würfel

Ja, du musst weiterhin etwas für die KI-Kompetenz deines Teams tun. Seit dem 27. Juli 2026 verlangt Art. 4 der KI-Verordnung aber nicht mehr, dass deine Leute ein „ausreichendes Maß“ an Kompetenz haben. Gefordert sind Maßnahmen, die ihre KI-Kompetenz fördern. Und die solltest du belegen können.

Stand: Oktober 2026. Das ist meine Einordnung als Unternehmer, keine Rechtsberatung.

Bei VetStage habe ich das Thema nicht als Compliance-Projekt angefangen, sondern mit einer Regel: Jede Aufgabe gehen wir zuerst mit KI an. Am Anfang hieß das ChatGPT für Texte, Analysen und Creatives, dazu n8n für Abläufe, die jede Woche gleich sind. Seit diesem Jahr arbeitet das ganze Team mit Claude, angebunden an HubSpot, Asana und unser CRM.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass mit jeder neuen Anwendung Übersicht verloren geht. Wer nutzt was? Mit welchen Daten? Und wer schaut drauf, bevor ein Ergebnis rausgeht? Genau da setzt Art. 4 an.

Was hat sich mit dem Digital Omnibus geändert?

Die Pflicht ist geblieben, ihr Maßstab ist weicher geworden. Die Verordnung (EU) 2026/1744, der sogenannte Digital Omnibus, hat Art. 4 neu gefasst. Veröffentlicht wurde sie am 24. Juli 2026 im Amtsblatt, in Kraft ist sie seit dem 27. Juli 2026.

Fassung ab 2. Februar 2025 Fassung ab 27. Juli 2026
Was du tun musst Maßnahmen ergreifen, um „nach besten Kräften sicherzustellen“, dass dein Personal „über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt“ Maßnahmen ergreifen, „um die Entwicklung der KI-Kompetenz“ deines Personals „zu unterstützen“
Ein bestimmtes Niveau ja, das „ausreichende Maß“ ausdrücklich nein: Du musst niemandem ein bestimmtes Niveau garantieren
Hilfe von außen nicht geregelt Kommission und Mitgliedstaaten sollen Unternehmen unterstützen, besonders kleine und mittlere, etwa mit Praxisbeispielen

Quellen: KI-Verordnung (EU) 2024/1689, Verordnung (EU) 2026/1744 bei buzer.de, Einordnungen von ikar-institut.de und ki-campus.org.

Viele Ratgeber im Netz zitieren noch die alte Fassung. Wenn du irgendwo „ausreichendes Maß sicherstellen“ liest, ist der Text nicht mehr aktuell.

Gilt das auch für mein Unternehmen?

Ja, sobald ihr KI beruflich nutzt. Die Verordnung nennt das „Betreiber“: Wer ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich einsetzt, fällt darunter (Art. 3 Nr. 4). Schreibt dein Vertrieb Angebote mit ChatGPT oder fasst deine Assistenz Meetings mit Copilot zusammen, bist du Betreiber.

Auf die Größe kommt es nicht an. Kleine Unternehmen sollen mehr Unterstützung bekommen, aber keine eigene Ausnahme.

Was passiert, wenn ich nichts mache?

Für einen Verstoß gegen Art. 4 sieht die Verordnung kein eigenes Bußgeld vor, Art. 4 steht nicht im Katalog von Art. 99 (ikar-institut.de).

Ein Freibrief ist das trotzdem nicht. Stell dir vor, jemand kopiert Kundendaten in das falsche Tool oder ein KI-Text geht ungeprüft raus.

Dann lautet die Frage, was du getan hast, damit dein Team KI richtig einsetzt. Und da willst du mehr vorzeigen können als „wir haben mal darüber gesprochen“.

Für Hochrisiko-Systeme gelten eigene, strengere Pflichten. In diesem Artikel geht es um den Alltag mit Chatbots und Assistenten.

Was du jetzt konkret tun solltest

  1. Bestandsaufnahme machen. Welche KI-Tools nutzt ihr, wer nutzt sie, mit welchen Daten? Frag ausdrücklich auch nach den Tools, die jemand privat ausprobiert und dann im Job verwendet.
  2. Spielregeln auf eine Seite schreiben. Wofür ihr KI nutzt und wofür nicht, welche Daten tabu sind, wer ein Ergebnis prüft, bevor es rausgeht, und wer über neue Tools entscheidet.
  3. Nach Rolle schulen, nicht alle gleich. Bei VetStage arbeiten wir mit drei Stufen: KI-Leader, die selbst bauen und andere schulen; Practitioner, die KI täglich nutzen; Follower, die gerade erst anfangen. Die Leader bekommen zusätzlich externe Weiterbildung, Schulungen gibt es für alle.
  4. An echten Aufgaben üben. Wir haben einen Hackathon mit dem ganzen Team gemacht, nicht nur mit den Entwicklern. Vorher Ideen sammeln, dann in Zweier- und Dreiergruppen bauen, mit externen KI-Experten dabei. Eine Idee haben wir wegen Datenschutz nicht umgesetzt. Auch das war Teil der Schulung: Alle haben gesehen, wo die Grenze liegt.
  5. Dokumentieren. Was ihr gemacht habt, wann, wie lange, mit wem und zu welchen Inhalten. Dazu die Spielregeln mit Stand-Datum. Ein Ordner reicht.
In die Dokumentation gehört Beispiel
Welche Tools ihr nutzt und wofür ChatGPT für Textentwürfe, Claude für Auswertungen
Eure Spielregeln mit Datum KI-Richtlinie, Stand Oktober 2026
Jede Schulung oder Übung Datum, Dauer, Inhalte, Teilnehmende
Wer verantwortlich ist Bei uns die Geschäftsführung, eine eigene KI-Stelle gibt es nicht

Brauche ich ein Zertifikat?

Nein. Das Gesetz schreibt weder ein Zertifikat noch einen zertifizierten Trainer vor. Es verlangt Maßnahmen, die du belegen kannst. Eine Teilnahmebestätigung mit Datum, Dauer und Inhalten ist so ein Beleg, ein Webinar-Screenshot eher nicht.

Woran ich selbst noch arbeite

Kompetenz ist nicht nur Wissen über Tools. Bei VetStage haben wir den Entwicklern eine Skala zur Selbsteinschätzung gegeben und die oberste Stufe, die vollautomatische „Dark Factory“, bewusst gestrichen. Niemand sollte einem Ziel hinterherlaufen, das im Alltag gerade gar nicht gewollt ist. Unser Ziel ist volle Kontrolle: Fällt die KI aus, wird die Arbeit langsamer, aber nichts Kritisches bleibt stehen.

Was ich noch nicht gelöst habe: Menschen stoßen an Grenzen, Workload und Mental Load. Jedes neue Werkzeug ist auch etwas, das man lernen und im Kopf behalten muss. Wie viel davon ein Team gleichzeitig verkraftet, dafür habe ich noch keine gute Antwort.

Häufige Fragen

Gilt die KI-Kompetenzpflicht noch?

Ja. Art. 4 gilt seit dem 2. Februar 2025, seit dem 27. Juli 2026 in der abgeschwächten Fassung. Abgeschafft wurde die Pflicht nicht.

Muss ich jeden Mitarbeiter schulen?

Jeden, der beruflich mit KI arbeitet. Die Tiefe darf sich nach der Rolle richten: Wer Automatisierungen baut, braucht mehr als jemand, der ab und zu einen Text überarbeiten lässt.

Reicht ein Webinar?

Es kann eine Maßnahme sein. Mehr bringt eine Übung an euren eigenen Aufgaben, weil das Team danach weiß, was es ab Montag anders macht. Und das lässt sich besser belegen.

Gibt es ein Bußgeld?

Für Art. 4 allein sieht die Verordnung kein eigenes Bußgeld vor. Wenn mit KI etwas schiefgeht, zählt trotzdem, was du vorher getan hast.

Wie gehst du das gerade in deinem Team an? Wenn du dafür einen Workshop willst, schreib mir. Was ich sonst mit Teams mache, steht unter Leistungen.

Was soll bei dir ohne dich laufen?